Gehört das duale Berufsausbildungssystem abgeschafft?

Wenn wir von den Politikern irgendwelche Aussagen eingehämmert bekommen, dann diese: „Deutschland ist Exportweltmeister“, oder „In Deutschland herrscht Wohlstand“, oder „die ganze Welt beneidet Deutschland wegen dem dualen Ausbildungssystem, das nun in andere Länder exportiert werden soll“.

Ist das duale Bildungssystem wirklich so perfekt, ja vollkommen, wie Politik und Wirtschaft immer behaupten?

Unser Berufsausbildungssystem ist seit Jahrzehnten unverändert und veraltet. Vieles ist nicht mehr aktuell. Das System der Berufsausbildung sollte dringend überarbeitet und an den Stand der Zeit angepasst werden. Man sollte nicht das duale Ausbildungssystem abschaffen, es aber lockern und einige Reformen vorschlagen, die meiner Meinung nach überfällig sind.

Auch wenn Deutschland oft wegen dem dualen Berufsausbildungssystem beneidet wird ist es noch lange nicht perfekt oder gar vollkommen. Sehr oft klagen Auszubildende darüber dass sie als billige Arbeitskraft ausgebeutet werden und gar nichts oder nur sehr wenig lernen. Hier muss dringend das Gesetz überarbeitet werden, damit die IHKs unangemeldete Kontrollen in den Ausbildungsbetrieben durchführen. Beispielsweise könnten sich die Prüfer dann vergewissern, ob der Betrieb überhaupt geeignet ist und ob die Auszubildenden wirklich nach dem Lehrplan ausgebildet werden. Hierzu ist ein Gespräch mit dem Auszubildenden und Ausbilder zu führen. Die Erfahrung zeigt, dass solche Kontrollen dringend notwendig sind, der schriftliche Ausbildungsnachweis reicht leider nicht aus. Insbesondere in den kaufmännischen Ausbildungsberufen besteht ein Potential der Ausbeutung der Auszubildenden. Das ist nicht akzeptabel.

Was ich auch nicht gut finde, ist, dass unser duales Ausbildungssystem der einzige Weg zum Berufsabschluss ist. Hier sollte das Gesetz gelockert werden, damit der duale Weg nicht der einzige bleibt um eine Berufsausbildung zu absolvieren. So sollte es möglich sein, den gleichen Berufsabschluss auch vollzeitschulisch zu absolvieren, was dann ebenfalls von der IHK geprüft wird. Während der vollzeitschulischen Ausbildung werden die Auszubildenden in den Lehrwerkstätten und Lernbüros praktisch ausgebildet und erlangen dort die berufliche Handlungsfähigkeit, die nach Ablauf der Ausbildung von den IHKs mit der gleichen Abschlussprüfung nachgewiesen wird. Die Ausbildung findet auch hier nach dem Lehrplan statt.

Viele junge Menschen suchen nach einer Ausbildung und möchten gerne den „Traumberuf“ erlernen. Da der Staat die Verantwortung der beruflichen Ausbildung auf die Unternehmen abgewälzt hat, ist man hier gnadenlos den konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt. Ist die Wirtschaftslage schlecht, sinkt auch die Zahl der Auszubildenden. Ich kenne einige Leute, die mit Allgemeiner Hochschulreife (!) vier Jahre gebraucht haben um eine Ausbildung zum Industriekaufmann zu bekommen. Vier verlorene Jahre, die man nicht aufholen kann! Hier trägt der Staat eindeutig eine Mitschuld, da er mit der beruflichen Ausbildung nichts zu tun hat und die Verantwortung die Wirtschaft dafür trägt. Sehr oft werden Ausbildungsplätze nach dem Prinzip „Vitamin B“ (Beziehung) vergeben, das heißt, die Verwandten oder Freunde der Angestellten werden bevorzugt zum Nachteil anderer Bewerber. Das Problem „Vitamin B“ ist allgemein bekannt, doch dagegen wird nicht vorgegangen. Es wird geschätzt, dass fast die Hälfte aller Ausbildungsplätze auf diese Weise vergeben werden.  Eine vollzeitschulische Ausbildung hätte den Vorteil, dass Schulabgänger, die keinen Ausbildungsplatz bei einem Betrieb finden, trotzdem ihren gewünschten Beruf in der gleichen Zeit nach gleichem Lehrplan erlernen könnten. So werden Lücken im Lebenslauf verhindert und die Zahl der Schulabgänger die ungelernt bleiben, deutlich reduziert werden. Eine vollzeitschulische Ausbildung ist nicht schlechter als eine Berufsausbildung nach dem dualen System, denn in den Niederlanden können Schulabgänger entscheiden, ob sie dual oder vollzeitschulisch ausgebildet werden möchten. Die Qualität der niederländischen Fachkräfte und die Wirtschaftsleistung des Landes sind ein Beweis, dass es funktioniert.

Für viele Berufe wie „Bäckereifachverkäufer“ oder aber auch „Florist“ ist es einfach unsinnig ganze drei Jahre zu lernen. Einen solchen Beruf kann man auch in einem Jahr lernen, da die Tätigkeiten hier nicht anspruchsvoll sind. Die duale Ausbildung müsste hier also entschlacken und unsinnige Berufe abschaffen und es ermöglichen innerhalb eines einzigen Jahres eine Ausbildung in diesem Bereich zu absolvieren.

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